»Cherchez la Femme!« – Monsieur Albert interviewt Véronique Witzigmann

 
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Die kulinarische Verführungskunst der Véronique Witzigmann – Albert Sham ging dem Phänomen auf den Grund …

Véronique Witzigmann erfand einen einzigartigen kulinarischen Kosmos, in dem Petitessen Grandesse zeigen. Im Zurheide-Talk gewinnt Albert Sham völlig neue An- & Einsichten und wagt auch pikante Fragen. Ein subtiles Spiel zwischen Nähe und Distanz beginnt …

Monsieur Albert: Véronique Witzigmann, was macht Sie glücklich?

Véronique Witzigmann: Kleine Dinge – wie zwei, drei Tage freihaben, mal ausschlafen können oder Quality Time mit der Familie zu verbringen …

Monsieur Albert: Apropos Qualität, Darling! Ihre samtigen Marmeladen & Chutneys bewegen die Food-Branche. Ein kleines Mädchen namens Marietta soll maßgeblich an der Rezeptur mitgewirkt haben …

Véronique Witzigmann: Das „kleine Mädchen“ ist inzwischen erwachsen, doch als Kind war Marietta unbewusst die Initiatorin. Viele Mütter stehen ja vor der Frage, was man tun kann, um Obst und Gemüse „an das Kind“ zu bringen. Dann kam mir die Idee meiner gesunden Fruchtaufstriche, wie sie bis heute bei Zurheide im Regal stehen: wenig Zucker, dafür jede Menge Frucht. So betrachtet hat Marietta den Grundstein gelegt, auch für alles, was sich später noch daraus entwickelt hat. Eine Marktlücke tat sich auf …

Monsieur Albert: … und wurde zum Boom: Véroniques Fruchtaufstriche, Desserts, Caterings, Workshops, Bücher: Der Begriff „Köchin“ ist deutlich zu klein für Sie …

 Lächeln als Markenzeichen – Véronique bezaubert mit Kreativität & Personality

Lächeln als Markenzeichen – Véronique bezaubert mit Kreativität & Personality

Véronique Witzigmann: Die bin ich auch streng genommen nicht. Schreiben Sie einfach „Expertin für Süßes“ und als solche eine Autodidaktin …

Monsieur Albert: … plus Unternehmerin, Buchautorin, Seminarleiterin und Moderatorin: Auch stehen Sie bei Messen wie der „Eat&STYLE“ auf der Showbühne und betreiben einen Back-Kanal auf YouTube?

Véronique Witzigmann: Touché. Foodboom ist jedoch ein Zusammenschluss verschiedener YouTube-Kanäle, die um Kulinarik kreisen, ins Leben gerufen von einem Freund. Dort hole ich Backfans in einem eigenen V-log ab – easygoing und augenzwinkernd. Die Botschaft: „Kriegt ihr locker gebacken!“ Das läuft unter dem Namen „Véroniques süße Sachen“.

Monsieur Albert: Verschwindet das Bittere denn immer mehr aus unserer Ernährung, Darling? Welchen Part spielt diese Geschmacksrichtung in Ihren Marmeladen oder Chutneys?

Véronique Witzigmann: Bitterkeit addiert eine reizvolle Spannung. Da gibt es raffinierte Kombis wie in der englischen Orangenmarmelade. Auch beim Einkochen von Zitrusfrüchten lassen sich beide Pole – das Süße und das Bittere – gut herausarbeiten. Im Zusammenspiel liegt der Charme.

Monsieur Albert: Gibt es einen neuen Trend zur regionalen Küche? In Düsseldorf sprechen manche bereits von „brutal lokal“ bzw. einem bedingungslosen Bekenntnis zu regionaler Küche …

Véronique Witzigmann: Chapeau, wer das mit mehr als zwanzig Gästen schafft! Wenn ich heute jemanden habe, in meiner Umgebung, von dem ich weiß, dass er gute Produkte hat und es besteht die Möglichkeit darauf zuzugreifen, diese Leute zu unterstützen und damit auch die regionale Landwirtschaft, dann nutze ich das natürlich gern. Andererseits wäre es Augenwischerei, jeden Tag für 1000 Leute kochen und alles nur regional anliefern lassen zu wollen. Wenn ich als Gastronom dann abends in den Spiegel schaue, werde ich mir zwangsläufig eingestehen, dass das schwierig ist. So ein Anspruch ist eher brutal pauschal als brutal lokal. Stattdessen gehe ich bewusst mit den Jahreszeiten, verarbeite zum Beispiel Rhabarber oder Beeren nur während der Saison und serviere meinen Gästen bevorzugt regional angebaute Produkte.

Monsieur Albert: Ihr Radius reicht weiter. So unterstützen Sie als Schirmherrin auch soziale Initiativen wie „Spitzenköche für Afrika“. Will man bei so viel Erfolg etwas zurückgeben, Darling?

Véronique Witzigmann: Es macht mich glücklich in einer Position zu sein, wo ich öffentlich sagen kann: „Schaut her, den Menschen geht’s hier nicht gut!“ Und dann beizutragen, dass Schulen gebaut werden und Hilfe zur Selbsthilfe geleistet wird. Neulich hat ein Hotel mit Gourmet-Restaurant sein 25-jähriges Bestehen gefeiert und einen Teil seiner Einnahmen gestiftet. Es kamen 30.000 Euro für einen guten Zweck zusammen, das treibt einem dann schon die Tränen in die Augen. „Spitzenköche für Afrika“ bleibt mein Herzensprojekt, ich war schon einmal in Äthiopien und freu mich darauf, in diesem November wieder dorthin zu reisen.

Monsieur Albert: Apropos Weltgeschehen: Sie wurden in Amerika geboren, das derzeit politisch herausgefordert ist. Achtsamkeit und Respekt bildeten die Grundpfeiler Ihrer Erziehung. Ist noch etwas übriggeblieben vom Washington Ihrer Kindheit?

Véronique Witzigmann: Wie wohl die gesamte freie Welt verfolge die Entwicklung dort mit Sorge, wünsche dem Land, dass es die nächsten 3 ½ Jahre halbwegs unbeschadet übersteht und Achtsamkeit und Respekt nicht ganz verlorengehen. Erschütternd, was da gerade passiert!

Monsieur Albert: Als Comedian schlüpfe ich gern in die Rolle des kapriziösen Monsieur Albert. Ist auch Confiserie vor laufender Kamera ein Stück weit Selbstinszenierung?

Véronique Witzigmann: In einer Rolle wäre ich bestimmt nicht so glaubwürdig. Verschmilzt man mit seiner Aufgabe, stellt sich irgendwann Selbstvergessenheit ein, die eigentlich das Gegenteil von Selbstinszenierung ist, nämlich Authentizität.

Monsieur Albert: Achtung, Kopfkino! Sie planen die Party Ihres Lebens, Geld spielt keine Rolle: Welches Ambiente wünschen Sie sich und was gibt´s Gutes zum Nachtisch?

Véronique Witzigmann: Es gibt in jedem Fall Topfenknödl mit Marillenröster. Auch den Ort weiß ich sofort: bei meinen Freunden Huwi und Renate im Bergdorf Priesteregg in Leogang im Salzburger Land. Als ich dort zum ersten Mal war, war es wie nach Hause kommen – so viel Liebe zum Detail!

Monsieur Albert: Welche Personen der Zeitgeschichte oder Helden der Gegenwart wären auf Ihrer Traumparty zu Gast?

Véronique Witzigmann: Mir liegen Menschen am Herzen, die meinen Lebensweg wohlwollend begleitet haben, meine Familie, aber auch nahestehende Freunde wie Christoph Brand und Ludwig Maurer. Weil es jedoch ein Gedankenspiel ist, würde ich spontan den Dalai-Lama, Barack Obama, Barbra Streisand und Udo Lindenberg einladen: Wenn man mit 71 noch die Bühne brennen lässt, wie er es tut, hat man alles richtiggemacht. Und wen hätten Sie zu Gast?

Monsieur Albert: Oh mein Gott, jetzt bin ich dran! Spontan? Brad Pitt, Keanu Reeves und Lady Di! Sie bleibt meine Königin der Herzen – und Malaysia meine seelische Heimat. Mein Traum-Dinner fände deshalb auf Pangkor Laut statt, der Lieblingsinsel von Pavarotti. Dort gibt’s viel Natur und superbe Restaurants, Darling! Doch willkommen zurück in der Wirklichkeit: Sie managen Ihre Auftritte selbst und arbeiten aktuell an zwei neuen Büchern. Schafft man es da noch, mittags mit der Familie zu essen?

Véronique Witzigmann: Familiärer Zusammenhalt hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb versuche ich das so oft wie möglich zu realisieren, speziell, wenn ich in München bin, wo unsere kleine Versuchsküche steht, ein wichtiger Ankerpunkt. Weil das Programm tagsüber fordernd ist, wird aus dem Mittagstisch eher ein Abendmahl.

Monsieur Albert: Welche Frage eines Journalisten hätten Sie schon immer gern beantwortet, die Ihnen jedoch bisher noch nie gestellt wurde …

Veronique Witzigmann: Bei all dem öffentlichen Interesse am Lebenswerk meines Vaters werde ich allzu selten nach meiner Mama gefragt, die mir ein starkes Vorbild war, auch in meiner Zeit als alleinerziehende Mutter. Sie war eine Working Mom der Siebziger Jahre, ich habe viel von ihr gelernt und bewundere sie sehr. Dass ich meinen Weg so gehen konnte, verdanke ich ihr: Sie stand mir stets liebevoll zur Seite.

Monsieur Albert: … und mit welcher würde sich der Fragesteller bei Ihnen sofort diskreditieren?

Véronique Witzigmann: Bei allzu privaten Themen müsste ich passen. Bei allem Stolz auf sein Lebenswerk wurde auch die Frage nach meinem Vater etwas überstrapaziert, unter Reportern ist sie fast schon ein Automatismus. Da lasse ich dann lieber meine Arbeit für mich sprechen.

Monsieur Albert: Sie haben die Welt des Süßen neu definiert. Umso gespannter bin ich auf das Gourmet Festival, welches ich nur als Gast kenne: Geht es vor so einer Großveranstaltung backstage nicht oft hektisch zu?

Veronique Witzigmann: Als Mitwirkende der ersten Stunde bin ich jedes Mal wieder beeindruckt, wie perfekt die Logistik ist: Es war ein unglaublicher Erfolg von Anfang an! Hut ab auch vor dem sehr professionellen Team, das stets zur Stelle ist, wenn man am Stand Unterstützung braucht. Wuselig wird’s natürlich auch, wenn Abertausende von Gästen erwartet und an die 80 kulinarische Stationen bestückt werden. Aber es ist eine freudige Anspannung!

Monsieur Albert: Chère Véronique, ich freu mich auf unser Wiedersehen bei Zurheide!

Konfitüre als Ouvertüre: Wiedersehen mit Véronique Witzigman & Albert Sham – auf unserem Gourmet Festival 2018 bei einer kulinarischen "Symphonie der Genüsse"!

Ein vollendetes Menü ist wie eine Partitur. Doch bevor es als Gesamtkunstwerk präsentiert werden kann, müssen seine Ingredienzien bis ins Feinste durchkomponiert, der Part jeder Zutat in ihm genau bestimmt werden. Unsere Herdmeister sind Dirigenten des guten Geschmacks und komponieren für Sie ein Spektakel der Sinne – im kongenialen Zusammenspiel mit Kulinarik-Stars wie Nelson Müller, Mario Kotaska, Thomas Bühner, Tristan Brandt, Dario Fontanella, István Pesti, Jörg Wissmann, Martin Obermarzoner, Kolja Kleeberg, Véronique Witzigmann u.v.a.m.! Bei Mausklick Ausblick: GOURMET FESTIVAL 2018 BROSCHÜRE
 

 Cherchez la Femme: Albert Sham gelangt zu überraschenden Erkenntnissen …

Cherchez la Femme: Albert Sham gelangt zu überraschenden Erkenntnissen …

Fotos – mit freundlicher Genehmigung von Véronique Witzigmann

Albert Sham visualized by erikwellmann.photography

Text + Konzept: Dr. C. Roosen